
Neue Backdoor im Einsatz
Curly COMrades: Bitdefender Labs beobachten neue komplexe Angriffe in Osteuropa
Advanced-Persistent-Threat-Akteure unterstützen russische Interessen - Angriffe auf Justiz- und Regierungsbehörden in Georgien sowie auf Energieversorgungsunternehmen in Moldawien
Seit Mitte 2024 beobachten die Bitdefender Labs ein neues Muster bösartiger gezielter Attacken mit dem Ziel, langfristigen Zugriff auf die Opfernetze zu erlangen. Die neuen Akteure, von Bitdefender Curly COMrades benannt, unterstützen offensichtlich russische Interessen und attackieren Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen. Die Opfer befinden sich vor allem in Krisengebieten der aktuellen Geopolitik - darunter Justiz- und Regierungsbehörden in Georgien sowie Energieversorgungsunternehmen in Moldawien.
Ziel der Hacker ist der persistente und langfristige Zugriff auf Netzwerke, um Nutzerdaten zu erbeuten. Mit diesen können sie sich dann frei im Netzwerk bewegen, Informationen sammeln und Daten exfiltrieren.
Suche nach Zugangsdaten mit Live-Zugang
Die Bitdefender Experten beobachteten verschiedene Versuche, die NTDS-Datenbank aus Domain Controllern zu extrahieren. Diese Datenbanken sind der vorrangige Ort zur Ablage der Passwort-Hashes und anderer Authentifikationsdaten in einem Windows-Netzwerk. Auch versuchen sie, Speicherinhalte aus dem LSASS-Speicher ausgesuchter Systeme auszulesen und zu kopieren. Damit können sie aktive Zugangsdaten sowie potenzielle Plain-Text-Passwörter der Systeme, auf denen die legitimen Nutzer eingeloggt sind, wiederherstellen.
Nachhaltige Mehrfachzugänge
Die Curly-COMrades-Akteure schaffen sich verschiedene Zugänge auf die internen Opfernetze. Dafür nutzen sie Proxy Tools für den Verbindungsaufbau wie Resocks, SSH und Stunnel. Über diese Proxy Relays führen sie remote ihre Befehle aus. Dafür setzen sie oft Tools wie Atexec ein.
Neue Backdoor im Einsatz
Für den nachhaltigen Zugriff haben die Akteure von Curly COMrades eine neue Backdoor eingesetzt: Der MucorAgent übernimmt CLSID-Schlüssel, um den Native Image Generator (NGEN) zu attackieren. NGEN, eine default-aktive Windows :NET Framework-Komponente zum Vorkompilieren von Assemblies, bietet einen Mechanismus für den nachhaltigen Zugang über eine nicht aktivierte geplante Aufgabe. Obwohl dieser Task scheinbar deaktiviert ist, führt das Betriebssystem NGEN unregelmäßig und für den Anwender nicht vorhersehbar aus – etwa während Ruhezeiten des Systems oder wenn neue Applikationen eingerichtet werden. So wird es dann zu einem wirksamen Tool, um Zugangsmöglichkeiten wieder zu erstellen. Hacker können davon ebenso Gebrauch machen.
Legitime Webseiten kompromittiert
Die Angreifer nutzen legitime Webseiten als Relays für den Datenverkehr: Bösartige Inhalte lassen sich inmitten der normalen Netzwerkaktivitäten schlechter erkennen oder einem Absender beziehungsweise Empfänger zuordnen. Eine solche Verbindung umgeht auch die Abwehrmechanismen von Lösungen, die einer vertrauenswürdigen Webseite vertrauen. Über die an sich unverdächtigen Webseiten routen die Hacker Command-and-Control-Befehle und exfiltrierte Daten. Die Experten vermuten, dass sie nur einen Teil eines größeren Netzwerks aus kompromittierten Web-Infrastrukturen erkannt haben.
Abwehrmaßnahmen
Eine Cyberdefensive benötigt für die Abwehr fortgeschrittene Extended-Detection-and-Response (XDR)-Sensoren, die ein umfassendes Bild der Konnektivität der IT und der Angriffsoberfläche liefern und Verhaltensanomalien entdecken. Wichtig ist dabei das Beobachten auch solcher an sich legitimer Tools wie Resocks, SSH oder Stunnel sowie der anderen in dieser Studie beschriebenen Aktivitäten. Verhaltensanalysen erkennen die anomale Nutzung legitimer Tools im Rahmen von Living-off-the-Land-Attacken oder den Missbrauch von legitimen Remote-Monitoring-and -Management (RMM)-Tools. IT-Teams, die mit solchen Aufgaben oft auch überlastet und überfordert sind, sollten die Inanspruchnahme eines Managed-Detection-and-Response-Dienstes (MDR) in Betracht ziehen. (Bitdefender: ra)
eingetragen: 27.08.25
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